Pastellfarbene Buchstapel in Jugendzimmern, TikTok-Videos mit Spice-Level-Bewertungen, Serienadaptionen, die die Streaming-Charts stürmen – die New-Adult-Literatur ist längst kein Nischenphänomen mehr. Während der klassische Buchmarkt stagniert, wächst der Umsatz mit Unterhaltungsliteratur um 15 Prozent in drei Jahren. Besonders die Dark Romance, die toxische Seite dieser Buchwelt, legte im vergangenen Jahr um 200 Prozent zu. Das ARD-Kulturmagazin „ttt – titel thesen temperamente“ widmet diesem Boom jetzt eine eigene Reportage.
„Spicy Stories“ heißt die erste Folge der neuen „ttt reportage“-Reihe, die zur Leipziger Buchmesse gestartet ist. Die Produktion von Cine Impuls im Auftrag von MDR, SWR und rbb nimmt sich Zeit für ein Phänomen, das zwischen Feuilleton-Verachtung und jugendlicher Begeisterung oszilliert. Softpornos in Pastell, nennt es die Literaturkritik. Für junge Leserinnen ist es oft die erste literarische Spiegelung ihrer Lebensrealität: Auszug von zu Hause, erster Job, erste Liebe, erstes Mal Sex.
Was hier boomt, ist mehr als Unterhaltung – es ist ein Geschäft mit der Selbstfindung. Ein Milliardenmarkt, der zeigt, wie sich Erzählungen über Sexualität und Beziehungen verändern. Die Reportage fragt nicht nach Moral, sondern nach Bedeutung: Warum funktionieren Triggerwarnungen in Dark Romance als Kaufanreize? Wie löst Literatur, die von Unterdrückung und Machtphantasien handelt, gleichzeitig Debatten über Feminismus aus?
Interessant ist die Produktionsperspektive. Nach dem „ttt Talk“-Auftakt im Dezember erweitert die ARD-Marke ihr Format-Portfolio gezielt für jüngeres Publikum. Emphatisch, nicht belehrend, aber auch nicht unkritisch – so beschreibt das Team um Redakteure Matthias Morgenthaler und Anika Mellin ihren Ansatz. Die Autorinnen Charlotte Witt und Anett Friedrich erkunden die Wechselwirkung zwischen digitaler Welt und realem Leben, zwischen BookTok-Empfehlungen und Bücherregalen.
Für uns ist das mehr als eine TV-Ankündigung. Es ist ein Beispiel dafür, wie sich gesellschaftliche Gespräche über Sexualität verschieben. Von der Tabuisierung zur Kommerzialisierung, von der Andeutung zur Explizitheit. Die Dark Romance mag polarisieren – aber sie macht sichtbar, welche Fantasien und Ängste eine Generation bewegen. Und sie zeigt, wie Literatur Räume öffnen kann, die im echten Leben noch verschlossen sind.
„Spicy Stories“ in der ARD Mediathek findest du hier.
(Bildrechte: MDR)