Zwei Drittel der Dating-App-Nutzer:innen sagen, dass sie KI noch nie für die Partnersuche benutzt haben. Und die, die es tun, finden es trotzdem nicht gut. So in etwa lässt sich das Ergebnis einer Umfrage der psychologischen Partnervermittlung Gleichklang zusammenfassen: 40,4 Prozent der 408 befragten Mitglieder haben KI zumindest in einem Bereich genutzt, aber eine große Mehrheit bewertet die Nutzung durch sich selbst (83,3 Prozent) und durch andere (86,3 Prozent) als negativ oder eher negativ.
Bevor wir uns in die Paradoxien stürzen: Die Umfrage von Psychologe Guido F. Gebauer nahm die Teilnehmenden 45 bis 60 Minuten in Anspruch. Das erklärt die überschaubare Stichprobe, die aber für Gleichklang repräsentativ ist. Gefragt wurde nach KI-Nutzung für die Selbstbeschreibung, Fotos, Erstnachrichten, Antworten auf Nachrichten und Dating-Beratung.
Am häufigsten greifen Mitglieder bei der Selbstbeschreibung auf KI zurück: 27 Prozent. Danach kommt die Dating-Beratung mit 19,6 Prozent, gefolgt von Erstnachrichten und anderen Antworten (je 19,1 Prozent) und Fotos (14,7 Prozent). Zwischen den Geschlechtern zeigen sich keine nennenswerten Unterschiede.
Eine Clusteranalyse teilt die Befragten in zwei klare Gruppen: 34,1 Prozent Nutzer:innen, 65,9 Prozent Nicht-Nutzer:innen. Bei den Nutzer:innen ist die Selbstbeschreibung mit 79,1 Prozent der häufigste Einsatzbereich, dann folgen Erstnachrichten und andere Antworten (je 56,1 Prozent), Fotos (43,2 Prozent) und Dating-Beratung (38,8 Prozent). Die Nicht-Nutzer:innen verneinen die KI-Nutzung fast durchgehend, nur 9,7 Prozent von ihnen haben für die Dating-Beratung schon einmal auf KI zurückgegriffen.
Interessant wird es bei der Bewertung. Nicht-Nutzer:innen lehnen KI mit 91,8 Prozent (eigene Nutzung) und 93,3 Prozent (fremde Nutzung) fast geschlossen ab. Bei den Nutzer:innen sinken diese Werte auf 66,9 und 72,7 Prozent. Also: Selbst die, die KI beim Dating benutzen, mehrheitlich abgeneigt. Das ist keine Liebesbeziehung, das ist eine Zweckgemeinschaft.
Bei Persönlichkeit, Bindungsstilen, Hochsensibilität, Religion und Spiritualität finden sich keinerlei Unterschiede zwischen Nutzer:innen und Nicht-Nutzer:innen. Nur zwei Punkte stechen heraus: KI-Nutzer:innen zeigen eine stärker libertäre politische Grundhaltung, hinterfragen also eher Normen und Traditionen. Und sie legen weniger Wert auf Green Dating: 34,4 Prozent der Nutzer:innen geben an, dass ihnen ökologisch ausgerichtetes Dating wichtig ist, bei den Nicht-Nutzer:innen sind es 45,8 Prozent. Gebauer sieht darin einen nachvollziehbaren Zusammenhang, denn KI verbraucht viel Energie, die oft aus fossilen Quellen stammt.
Gleichklang-typisch ist dieser zweite Befund übrigens doppelt relevant: Die Plattform versteht sich selbst als Green-Dating-Portal – da passt die Zurückhaltung der umweltbewussten Mitglieder gegenüber der energiehungrigen KI ins Bild.
Gebauer vermutet, dass die Abneigung mit der Angst vor Authentizitätsverlust zu tun hat. Dating-Profile und Online-Kommunikation könnten sich zunehmend an KI-Durchschnittsmodelle anpassen. Sein Rat an alle, die sich davor schützen wollen: möglichst schnell zu realen Treffen übergehen, bevor die KI die Resonanz zwischen zwei Menschen ersetzt.
Die Umfrage zeigt eines ganz deutlich: KI beim Dating ist ein Werkzeug, das man nutzt, ohne es zu mögen. Eine Situation, die viele aus anderen Lebensbereichen kennen. Nur dass es hier um die Frage geht, wie viel Maschine man in den intimsten Bereich seines Lebens lässt – und was davon am Ende im Profil, in der ersten Nachricht, im ersten Treffen sichtbar wird.
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